Floating: Schwerelos für 60 Minuten

Zum ersten Mal hörte ich von Floating Mitte der Neunziger. Mein abgefahrener Deutschlehrer im Gymnasium erzählte uns von den Kreativitätsstrategien im Silicon Valley. Die Bosse würden dort in stockdunklen Containern baden, völlig isoliert von äußeren Sinnesreizen. Mein Teeniehirn war sofort angefixt, doch bis ich das erste Mal in einen solchen Tank stieg, sollten zwei Jahrzehnte vergehen.

Mein Körper und ich.

 

Eine alte Folge der Simpsons weckte vor einigen Wochen wieder die Neugier, also googelte ich. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass es mehrere Institute in Österreich gibt, in welchen Floating angeboten wird. Der New-Age-Trend hatte die Jahrzehnte überdauert und es von Amerika zu uns geschafft. Zum Einstieg entschied ich mich für die softe Variante im offenen Wasserbecken, Mitten in Wien Mariahilf. Im TimeOut-Spa wird dem Floating-Gast ein Bad mit kleinem Pool überlassen, welches zwar abgedunkelt, aber nicht völlig finster ist.

Das körperwarme Wasser im Becken ist mit Salz von Naturkristallen angereichert, wodurch ein Schwebe-Effekt beim Baden erzielt wird: Man liegt auf dem Wasser und kann alle motorischen Kräfte mal pausieren lassen. Klingt entspannend, ist es auch. Und mehr noch. Durch das Ausblenden von Außenreizen konzentriert sich die Wahrnehmung zuerst auf den Körper, und im Schwebezustand fühlt sich dieser völlig anders an, als unter Einfluss der Schwerkraft. Die Pose wird außer Kraft gesetzt, der Körper gibt die Bewegungen, und schließlich die Ruhelage vor. Was sich dabei im Kopf abspielt, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Manche berichten von Halluzinationen, andere von Alpha-Phasen zwischen Wach- und Schlafzustand, ich hingegen genoss die Euphorie der Schwerelosigkeit. Die Empfindungen reichten bei mir vom Gefühl, in Zement eingegossen zu sein, bis hin zum freien Fall. Wer den Alpha-Zustand, sozusagen die Königsklasse der Entspannungslevels erreicht, kann mit einer einstündigen Floating-Session bis zu acht Stunden Schlaf kompensieren.  Die 60 Minuten vergehen wie im Flug, während andere danach Bäume ausreißen können, fühle ich mich wie nach einem Tag am Meer: Müde, aber glücklich.

Floating geht auf Experimente des Neurologen Dr. John C. Lilly in den 1950ern zurück, in welchen er die menschliche Hirnaktivität unter Ausblendung äußerer Sinnesreize untersuchte. Im Zuge seiner Forschung entwickelte er Floating Tanks, welche später Einzug in die Wellness-Industrie fanden. Die muskelentspannende und stressreduzierende Wirkung ist wissenschaftlich bestätigt. 

Think Tank.

Mein erster Floating-Versuch machte mir Appetit auf mehr, doch diesmal wollte ich es in völliger Finsternis versuchen. Ich fand ein Forschungsinstitut, welches einen Floating-Tank im Keller stehen hat und mir diesen für eine Stunde zur Verfügung stellte. Durch ein kleines Türchen steigt man in den bis zu den Knöcheln gefüllten Salzwassercontainer und lässt 60 Minuten lang Körper und Geist Sache machen. Auch diesmal erreichte ich keinen Alpha-Zustand, sondern staunte einfach nur über die kleinen Sinnes-Sensationen im dunklen Salzbad. Nach 60 Minuten stieg ich wieder fix und fertig auf dem Tank und freute mich nach der Dusche über meine salzbedingten Beachwaves im Haar.

Tipp

Wer gerne badet und dringend Entspannung sucht, sollte es mal mit Floating versuchen. Es ist unkompliziert, effizient und obendrein kann man Neues über sich selbst und seinen Körper erfahren. Kaum jemandem gelingt es, gleich beim ersten Mal seine Alltagsgedanken loszulassen, das Erreichen eines Alpha-Zustandes bedarf Übung.  Deshalb nicht enttäuscht sein, wenn die großen Ideen und Selbsterkenntnisse zu Beginn ausbleiben. Zum Einstieg empfehle ich das TimeOut-Spa, weil den Gästen ein entspannungsorientierter Rahmen mit hohem Wellness-Faktor geboten wird. Die Spa-Leitung, selbst leidenschaftliche und fachkundige Floaterin, ist sehr um das Wohlergehen ihrer Gäste bemüht: Von Abschminkutensilien bis zur abschließenden Körperpflege ist alles vor Ort. Wer möchte, kann der Floating-Session eine Massagebehandlung anhängen oder in speziellen Alpha-Liegen das Erlebte nachwirken lassen. Auch Paar-Floating ist in dem Becken möglich. Wer empfindlich auf Salzwasser reagiert, sollte eine Schwimmbrille und Ohrstöpsel mitnehmen. Badesachen braucht man für das Floating übrigens keine: Schweben tut man nämlich nackt.

Link: TimeOut-Spa